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LV Sachsen-Anhalt: 29. Mitgliederkonferenz in Halberstadt

Unter dem Motto „Weichen neu stellen – Sozialsystem stärken“ trafen sich am 7. und 8. März 2025 rund 160 engagierte Mitglieder des GdS-Landesverbandes Sachsen-Anhalt zu ihrer 29. Mitgliederkonferenz in Halberstadt. In bewährter Tradition bot das ehemalige AOK-Bildungszentrum, heute als „K6-Hotel“ bekannt, den perfekten Rahmen für intensive Diskussionen, spannende Vorträge und kollegialen Austausch.

Der Landesvorsitzende Maik Wagner eröffnete die Konferenz und betonte in seiner Rede mit Blick auf die im Februar durchgeführte Bundestagswahl, dass es nun entscheidend sei, „einen Koalitionsvertrag zu schaffen, der die Themen unseres Sozialsystems stärker abbildet und die Notwendigkeit einer zukunftsfähigen Ausgestaltung der Sozialversicherung in den Fokus rückt“. Wagner bemängelte nachdrücklich die anhaltende Unterfinanzierung der Krankenkassen. Um die hohe Qualität der Gesundheitsversorgung langfristig zu garantieren, forderte er eine verlässliche und bedarfsgerechte Finanzierung.

Trotz ihrer krankheitsbedingten Abwesenheit erreichte uns die Botschaft von Sozialministerin Petra Grimm-Benne. In ihren Ausführungen unterstrich sie die fundamentale Rolle der Sozialversicherung als tragende Säule des Sozialstaats und skizzierte ein umfassendes Bild der aktuellen Herausforderungen und Lösungsansätze im Gesundheitswesen. Die Ministerin betonte die Notwendigkeit, die ambulante Versorgung zu stärken, wobei sie innovative Konzepte wie die Landzahnarztquote und die Förderung zahnmedizinischer Studienplätze hervorhob. Im Rahmen der Krankenhausplanung, insbesondere im Kontext des Krankenhausversorgungsverbesserungsgesetzes, plädierte sie für eine verstärkte finanzielle Beteiligung des Bundes an der notwendigen Transformation.

In der Digitalisierung des Gesundheitswesens sieht Grimm-Benne große Chancen, mahnt jedoch zur Beachtung des Datenschutzes und zur Förderung entsprechender Kompetenzen bei den Mitarbeitern. Angesichts der finanziellen Belastungen der gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung rief die Ministerin zu mutigen Reformen und innovativen Finanzierungsmodellen auf. Besonders die nachhaltige Umgestaltung der Pflegeversicherung zur Entlastung Pflegebedürftiger sowie die Zukunftssicherung der Rente in Anbetracht des demografischen Wandels sieht sie als zentrale Aufgaben der kommenden Jahre.

Ralf Dralle, Vorstand der AOK Sachsen-Anhalt, und Jork Beßler, Geschäftsführer der DRV Mitteldeutschland, trugen mit ihren Erfahrungen maßgeblich zur Diskussion bei. Dralle mahnte eine stärkere Berücksichtigung der Sozialversicherungsträger in der Politik an. Beßler betonte die Wichtigkeit attraktiver Arbeitsbedingungen, um dem wachsenden Fachkräftemangel entgegenzuwirken, und unterstützte die Forderung nach einem Tarifergebnis, der den Diplomabschluss wertschätzt.

Oliver Müller (DRV Mitteldeutschland) beleuchtete in seinem Vortrag am Samstag die Herausforderungen in der gesetzlichen Rentenversicherung aus Arbeitnehmersicht. Er betonte, dass viele Beschäftigte mangelnde Wertschätzung erfahren, was sich zum Beispiel in einem Fokus auf Kritik an Mitarbeitenden statt Anerkennung äußert. Müller wies darauf hin, dass einige Projekte bisher keine spürbaren Verbesserungen für die Beschäftigten gebracht haben. Er forderte Investitionen in Mitarbeiterzufriedenheit und eine stärkere Einbeziehung der Personalvertretung, um die Arbeitsbedingungen zu verbessern.

Ein besonderer Moment war die Ehrung langjähriger GdS-Mitglieder. Für ihre Treue und ihr Engagement ausgezeichnet wurden Marion Schiffner, Janine Steiner und Jörg Rosenkranz (jeweils 25 Jahre GdS), Carmen Herrmann und Maik Wagner (beide 40 Jahre GdS), Ute Schaaf (50 Jahre GdS) sowie Erika Sanetra für beeindruckende 60 Jahre Mitgliedschaft. Wagner würdigte die anderen Jubilare als „Rückgrat unserer Gewerkschaft“ und betonte die Bedeutung ihrer Erfahrung für die Zukunft der GdS.

Die Konferenz bot auch Raum für kritische Diskussionen über die Auswirkungen von Digitalisierung und künstlicher Intelligenz auf das Sozialsystem. Die GdS machte deutlich, dass technologische Fortschritte zwar Chancen bieten, aber auch Risiken wie den Verlust von Arbeitsplätzen mit sich bringen können. Es müsse sichergestellt werden, dass trotz Digitalisierung das Geschäftsstellennetz der Krankenkassen erhalten bleibt und dazu klare Vereinbarungen mit Arbeitgebern getroffen werden.

Am Ende des ersten Konferenztages, der von wegweisenden Vorträgen geprägt war, ließen die Teilnehmer die Veranstaltung bei einem festlichen Buffet und Tanz ausklingen, wobei die entspannte Atmosphäre Gelegenheit für persönliche Gespräche bot und den Zusammenhalt der GdS-Gemeinschaft stärkte.

Die 29. Mitgliederkonferenz in Halberstadt unterstrich das entschlossene Engagement der GdS in Sachsen-Anhalt für eine gerechte und zukunftsfähige Sozialversicherung. Zum Abschluss dankte der Landesvorsitzende Maik Wagner allen Beteiligten und kündigte die nächste Konferenz für den 13. und 14. März 2026 am selben Ort an.

Maja Oswald

Jubilarehrung in Halberstadt (von links nach rechts): Laudator Torsten Grabow, Ute Schaaf (50 Jahre GdS), Carmen Herrmann (40 Jahre GdS), Janine Steiner, Jörg Rosenkranz und Marion Schiffner (alle jeweils 25 Jahre GdS), Maik Wagner (40 Jahre GdS) und Erika Sanetra (60 Jahre GdS).